Honig vom Imker nebenan

Das Startup "nearBees" bringt Hobbyimker und Honigbrot-Freunde zusammen – bislang aber nur online. Jetzt gibt es den Regionalhonig endlich auch im bayerischen Einzelhandel

Foto: nearBees

Text: Beate Strobel

Ganz am Anfang dieser Geschichte steht eine Beobachtung, die Viktoria Schmidt einst machte: Mit den Bienen, die ihr Großvater aus Altersgründen weggab, verschwanden auch die Kirschen im Obstgarten. „Da ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, wie eng Bienen und Natur zusammengehören„, erzählt die Produktdesignerin aus Freising.

nearBees-Gründerin und Imkerin Viktoria Schmidt (Foto: Susie Knoll)
nearBees-Gründerin und Imkerin Viktoria Schmidt (Foto: Susie Knoll)

Dem allgemeinen Bienenschwund in Deutschland wollte Schmidt etwas entgegensetzen – und gründete 2015 in München das Social Startup nearBees. Geschäftsmodell dabei ist, dem Hobbyimker mit bis zu zehn Bienenvölkern den Vertrieb und dem Honigfreund den Zugang zu einem lokalen Produkt zu erleichtern. Und dadurch womöglich das langsame Verschwinden der Bienen aus dem Naturkreislauf zu bremsen.

Bislang allerdings ging das nur übers Internet: Der Kunde bestellte im Online-Shop, der Imker aus der Nachbarschaft tütete den Honig in einen speziell dafür entwickelten Briefumschlag ein und verschickte ihn per Post. Etwa 1200 Imker sind inzwischen bei nearBees registriert, der Umsatz verdreifachte sich 2016: Knapp drei Tonnen Honig wurden im vergangenen Jahr via nearBees vermarktet.

Jetzt geht das Startup den nächsten Schritt: nearBees-Honig kommt zumindest in Bayern in den Einzelhandel. Nicht in Tüten, versteht sich, aber in extra entwickelten Honigbechern aus zu 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 2,99 Euro für 100 Gramm Offline-Honig.

nearBees-Honig im Einzelhandel
nearBees-Honig – jetzt im Einzelhandel

Damit kommt Viktoria Schmidt – die übrigens selbst drei Bienenvölker beim Freisinger Imkerverein hält – dem Wunsch der weniger online-affinen Kunden und Hobbyimker nach. Honigproduzenten mit mehr als zehn Bienenvölkern werden sich ebenfalls freuen: Ein Volk produziert 30 bis 50 Kilo Honig pro Jahr, da kann der Versand in 400-Gramm-Tüten zu einer abendfüllenden Beschäftigung werden.

„Gerade wirklich lokaler Honig findet sich fast nie im Einzelhandel, da kleinere Hobbyimker meist nicht über die Mengen Honig verfügen, die es braucht, um einen Supermarkt ganzjährig mit Honig zu beliefern“, findet Schmidt außerdem – nearBees schließt damit eine Lücke. Wenn mehr Menschen den Honig von nebenan schlecken, dann summt und brummt es bald wieder in den Obstgärten. Und die Kirschenzeit kann kommen.

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