Bad Füssing: Nach Öl gebohrt, Wasser gefunden

Bayerns erfolgreichster Kurort feiert 70. Geburtstag. Doch ohne US-amerikanische Soldaten wäre der Ort vielleicht heute noch ein kleiner Weiler mit flüssigem Schatz in 1000 Meter Tiefe

Wasserspaß in Bad Füssing (Foto: Stefan Hanke, Bad Füssing)

Erdöl wollten die Männer finden, als sie 1938 beim altbayerischen Örtchen Füssing – damals aus sechs Bauernhöfen bestehend – 1000 Meter tief in die Erde bohrten. Doch statt des schwarzen Goldes sprudelte klares, heißes Wasser empor. Enttäuscht versiegelten die Ölsucher die Quelle wieder und zogen ab.

Die Anfänge: das "Pearl Bad" 1947 (Foto: Kur- & GästeService Bad Füssing
Die Anfänge: das „Pearl Bad“ 1947 (Foto: Kur- & GästeService Bad Füssing

Neun Jahre später hörten US-Soldaten, die nach dem Krieg im zwei Kilometer entfernten Waldstadt stationiert waren, von der heißen Quelle. Sie konfiszierten das Gelände, reaktivierten die Quelle und bauten erste provisorische Badebecken aus modifizierten Kanalrohren – fertig war das „Pearl Bad“ genannte Kur-Provisorium. Was übrigens nicht mit perlendem Wasser zu tun hat, sondern schlicht den damaligen Lagerkommandanten David Pearl ehrt.

Das Wasser: heiß und gesund

Was für eine Erfolgsgeschichte! 1947 eine Gemeinde mit 476 Einwohnern – und 70 Jahre später mit jährlich 1,6 Millionen Besuchern die Nummer eins unter den Heilbädern Europas. Drei Quellen sprudeln dort nun aus 1000 Meter Tiefe, 56 Grad heiß und mit einer Ergiebigkeit von 100 000 Litern pro Stunde. Das Heilwasser enthält eine ganz besondere Art von Sulfid-Schwefel und soll vor allem bei Rheuma und Gelenkerkrankungen helfen.

Knapp 7000 Einwohner hat das Thermalbad-Dorado Füssing – 1969 offiziell mit dem Titel „Bad“ geadelt“ – heute, aber 13 806 Gästebetten. Die auch ganzjährig gut belegt sind bei etwa 2,45 Millionen Übernachtungen pro Jahr. Der Gesundheits- und Medizintourismus sichert der Region rund 10 000 Arbeitsplätze und bedeutet eine jährliche Bruttowertschöpfung von etwa einer halben Milliarde Euro.

Die Überalterung als Gefährdung

Doch auf dem Erfolg ausruhen will und kann Bad Füssing sich nicht. 90 Prozent der Gäste sind aktuell 50 Jahre oder älter, mehr als 90 Prozent kommen aus Deutschland. Da schlummert noch viel unentdecktes Potenzial, so wie vor knapp 70 Jahren die Quelle im Erdreich.

Abendstimmung in Bad Füssing (Foto: Kur- & GästeService Bad Füssing)
Abendstimmung in Bad Füssing (Foto: Kur- & GästeService Bad Füssing)

Deshalb bemüht sich Bad Füssing seit einigen Jahren verstärkt um internationale Gäste. Seit 2011 ist die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland immerhin schon um 25 Prozent auf 52 000 in 2015 gestiegen, die meisten davon aus den Nachbarländern Österreich und Tschechien. In digitale Kommunikation will man investieren, um den Gästen, die am liebsten online buchen, entgegen zu kommen. Die Schweizer beispielsweise will man nun gezielt umwerben, aber auch andere europäische Nachbarländer wie Italien oder die Niederlande.

Und eines Tages dann vielleicht auch die US-Amerikaner, denen Bad Füssing schließlich viel zu verdanken hat – auf dass sie zurückkehren an die Quelle.