Wandern und kochen mit dem Herrn Direktor

In Oberstaufen geht ein Hoteldirektor lieber mit seinen Gästen in die Berge oder in die Küche, anstatt sich über Bilanzen zu beugen. Und das mit Erfolg

Chef (fast) ganz oben: Hoteldirektor Christian Meyer auf dem Säuling (Foto: privat)

Text: Beate Strobel

Einst galt es als das Sylt des Allgäus, in den Hotelbars wurde mehr Champagner ausgeschenkt als in Westerland, und bis heute sieht man in den Bars und Lounges der knapp 60 Hotels im 3500-Einwohner-Ort Oberstaufen noch Leute sitzen, die mit ihrer sonnengegerbten Haut und der dicken Uhr am Handgelenk auch Stammgäste der Sylter In-Bar Sansibar sein könnten.

Oberstaufen im schönen Ostallgäu ist ein Ort der Gegensätze: Schrothkur trifft auf Schampus, Gipfelstürmer auf Sonnenanbeter, Viehscheid-Fans auf die Generation Tanztee. Nachdem als Folge der Gesundheitsreform Anfang der 90er Jahre der Kurbetrieb zunächst eingebrochen war, hat sich der Ort inzwischen wieder gefangen bei nicht ganz 1,4 Millionen Gästeübernachtungen im Jahr; trotz Bettenrückgang ist die Zahl in den letzten Jahren stetig nach oben gegangen.

Vier-Sterne-Idyll: Bayerischer Hof in Oberstaufen
Vier-Sterne-Idyll: Bayerischer Hof in Oberstaufen (Foto: Bayer. Hof)

Darauf ausruhen? Geht nicht, sagt Christian Meyer, seit Juli 2016 Hoteldirektor des renommierten und sehr lauschigen Vier-Sterne-Hotels „Bayerischer Hof“ inmitten des Ortes. Der gebürtige Pfrontener ist in seinen Lehr- und Wanderjahren viel herumgekommen, hat in der Allgäuer Sonnenalp gelernt, im Münchner Kempinski und im Disneyland Paris gearbeitet. Jetzt ist er wieder daheim, und das ist gut so, sagt er: Die Berge, diese unverwechselbar schöne Allgäuer Landschaft hätten ihm doch sehr gefehlt anderswo.

Sommer auf der Nagelfluhkette

„Wir können das Allgäu so gut verkaufen, weil wir es so lieben“, bringt er den Allgäuer Tourismuserfolg auf einen einfachen Nenner. Gastfreundlichkeit bedeutet für ihn, dem Besucher die schönsten Ecken der Gegend zu zeigen. Deshalb führt im Bayerischen Hof dann auch der Hoteldirektor immer wieder seine Gäste auf die nahegelegenen Berge, etwa bei der sommerlichen Wanderwoche unter dem Motto „Alpsommer auf der Nagelfluh“, bei der die Gebirgskette in vier Etappen überschritte wird. Er trägt dann kariertes Hemd statt Anzug und Krawatte, und Wanderschuhe, die sichtbar oft Auslauf bekommen. Work-Life-Balance nennt man das wohl.

Für seine Gäste ist das eine große Urlaubsbereicherung, denn zum einen brauchen Menschen inmitten einer an Höhepunkten armen Schrothkur Beschäftigung und Ablenkung. Zum anderen aber merkt man an jedem seiner Worte, wie sehr Meyer seine Heimat liebt. Führt er durch das nahe gelegene Bergbauernmuseum, kann man sich das Lesen der Erläuterungsschilder sparen, weil Meyer so viel mehr zu erzählen hat. Und es auch mit sehr viel größerer emotionaler Beteiligung macht.

Hier kocht der Chef

Kässpatzen-Kochkurs (Foto: Bayerischer Hof Oberstaufen)
Käsepatzen-Kochkurs mit Christian Meyer (ganz links) Foto: Bayerischer Hof Oberstaufen

Oder wenn er – schließlich ist Meyer gelernter Koch – seine Gäste (alle, die nicht kuren…) zum Allgäuer Kässpatzen-Kochkurs in die Hotelküche einlädt. Flink wird bei ihm aus Mehl, Eiern, Salz und etwas Mineralwasser ein blasen werfender Spätzleteig, den der Herr Direktor dann noch schneller ins siedende Wasser schabt. Keine Angst: Für Anfänger steht ein Spätzlehobel bereit. Und selbst wenn die Spätzle fingerlang wurden, gleicht die spezielle Allgäuer Käsemischung auch das wieder aus. Und das ehrlich klingende Lob der Stammbedienung („Das schaut ja echt spitze aus!“) ist den Kässpatzen-Azubis immer gewiss.

Oberstaufen, glaubt Hoteldirektor Christian Meyer, steht jetzt – wie viele andere touristische Städte in Bayern – vor einer großen Aufgabe: nicht gemeinsam mit ihrer bisherigen Stammkundschaft zu altern, sondern neue Gäste für sich zu gewinnen. Sie mit ehrlicher Begeisterung für die Heimat zu überzeugen, ist ganz sicher nicht der schlechteste Weg.

 

Zum Hotel Bayerischer Hof

 

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