Das Gute hat einen Haken

Immer mehr bayerische Bäckereien beteiligen sich bei der Initiative „Brot am Haken" – eine genial einfache Möglichkeit, Gutes zu tun: Der Kunde bezahlt zwei Brote, nimmt aber nur eins mit. Der Bon für die andere Ware wird an einen Haken gehängt. Und irgendwann von einem Bedürftigen eingelöst

bah-brett-mit-hand
Foto: Brot am Haken i.G.

Text: Beate Strobel

Seien Sie egoistisch – helfen Sie anderen! Klingt wie ein Widerspruch in sich? Ist es aber nicht: Sozialpsychologen haben längst herausgefunden, dass sogenannte „Handlungen der Güte“ ein sicherer Weg sind, um das eigene Glücksempfinden zu steigern.

bah-bretter-neulinger-2
In der Brot- und Feinbäckerei Neulinger, München (Foto: Brot am Haken i.G.)

Wer gibt, der bekommt, so einfach ist das. Und geben kann ähnlich einfach sein, denn immer mehr Bäckereien und Cafés machen mit bei der Initiative „Brot am Haken“. Das Prinzip: Die Ware, die man spenden möchte, wird bezahlt, aber nicht aus dem Laden getragen. Stattdessen wird der Bon dafür an ein spezielles Brett mit einem Haken gehängt. Den Bon wiederum nimmt sich dann der Bedürftige und löst ihn problemlos an der Theke ein.

Eine alte Idee. Und doch neu

2007 hatte der türkischstämmige Bäcker Sören Özer im Hamburger Wandsbäcker das erste Brett mit Haken installiert. Und in Italien gibt es den „caffè sospeso“, den aufgeschobenen – also für einen späteren Kunden mitbezahlten – Espresso, seit mehr als 100 Jahren. Jetzt will der Münchner Immobilienmaklers Michael Spitzenberger mit der 2015 gegründeten Initative „Brot am Haken“ daraus eine deutschlandweite Bewegung machen, beginnend in München.

„Ich möchte weitergeben“, begründet Spitzenberger sein Engagement: Er wolle beitragen dazu, dass auch die Menschen in finanzieller Not wieder ein Stück weit teilhaben können am Alltag. Und das bedeutet nicht nur, sich das täglich Brot leisten zu können, sondern auch mal eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen. Oder einen Besuch beim Friseur: Der Salon „Dave Mahoney“ in der Lindwurmstraße ist Teil von Spitzenbergers Unternehmens-Netzwerks.

Die hübschen Bretter mit den Haken übrigens  – aus Kirsche, Nussbaum, Eiche oder Ahorn –  werden nicht irgendwo, sondern in der Schreinerei der Justizvollzugsanstalt München angefertigt. Jetzt hängen sie in den mehr als 20 teilnehmenden Bäckereien und Cafès innerhalb Münchens, und die Hoffnung Spitzenbergers ist groß, dass auch die restlichen der 100 bislang angefertigten Brettchen bald eine neue Heimat finden.

„Wir vertrauen auf das Gute im Menschen“

Ausweisen muss sich niemand, der einen Bon vom Haken nimmt, auch das ist Spitzenberger wichtig: „Wir wollen Vertrauen aufbauen und nicht zerstören. Wir vertrauen auf das Gute im Menschen“ – und darauf, dass sich tatsächlich nur Menschen in Not am Haken bedienen. Und nein, „Brot am Haken“ will und kann nicht den Hunger aller stillen. Freude schenken – das ist das Ziel der Aktion. Und wer Freude schenkt, beschenkt immer auch sich selbst.

Kontakt:
Brot am Haken i.G.
c/o Impact Hub
Gotzinger Straße 8
81371 München

zur Webseite