„Das wird ein kostbarer Jahrgang!“

Nachlese: War das endlich mal wieder ein richtiger Winter für den Eiswein? Echt Bayern fragte nach bei dem fränkischen Winzer Horst Sauer.

Wird es infolge des Klimawandels bald keinen Eiswein mehr geben? Nach den letzten milden Wintern äußerten erste Winzer diese Sorge. Und jetzt, nach einem Januar mit sensationellen Minus-Werten? Echt Bayern fragt nach beim Horst Sauer, der mit seiner Tochter Sandra das mehrfach prämierte Weingut Horst Sauer am Escherndorfer Lump ( Landkreis Kitzingen, Franken) führt.

Interview: Beate Strobel

Herr Sauer, hatten Sie nach den letzten milden Wintern Sorge, ob es einen Eiswein 2016/2017 überhaupt geben wird?

Winzer Horst Sauer (Foto: Weingut Horst Sauer)
Winzer Horst Sauer (Foto: Weingut Horst Sauer)

Nein, Sorgen machen ja nur unglücklich. Außerdem lassen wir immer am Ende der Hauptlese Trauben hängen, ob nun für edelsüße Weine oder Eiswein. Wenn die Winternächte dann doch nicht kalt genug werden für Eiswein, ist es nicht schlimm.

Wann waren Sie sich sicher, dass es einen Eiswein-Jahrgang 2016/2017 geben wird?

Die Erfahrung hat uns in den Jahren gelehrt, dass nach einem extrem trockenen Sommer wie 2015 der Frost im nächsten Jahr oft etwas früher kommt und der Winter härter wird.  Wir sind also mit einem richtig guten Gefühl reingegangen in den Winter, wir haben so viele Trauben hängen gelassen wie schon lange nicht mehr – Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau.

Wann wurden auf dem Weingut Horst Sauer die Trauben für den Eiswein gelesen?

Wir konnten an fünf Tagen lesen, das war phänomenal: Zwei Tage im November, zwei Tage im Dezember und dann noch am 7. Januar 2017, da war es insgesamt dann am kältesten. In der Nacht vor der Lese sind wir immer etwas unruhig, stehen oft auf und schauen, wie klar die Sterne leuchten oder ob Wolken am Himmel aufziehen. Nur nach sehr klaren Nächten ist es morgens kalt genug für Eiswein. Diesmal hat einfach alles gepasst. Und wenn wir dann im Weinberg stehen, die Nacht zum Tage wird und der Horizont sich langsam violett verfärbt, dann ist das immer ein unglaublich schöner Moment. Der Nebel war am Boden gefroren, die Kälte war wirklich sichtbar, aber niemand hat geklagt. Alle Mitarbeiter waren nur konzentriert auf die Trauben.

Wenn die Nacht zum Tag wird. (Foto: Weingut Horst Sauer)
Wenn die Nacht zum Tag wird. (Foto: Weingut Horst Sauer)

Haben Sie von heutiger Sicht aus zum richtigen Zeitpunkt gelesen?

Das soll jetzt nicht überheblich klingen, aber wir glauben, da haben wir jeweils eine Punktlandung gemacht.

Und wie demnach wird der fränkische Eiswein-Jahrgang 2016/2017 ausfallen?

Ich möchte auch da eigentlich lieber den Ball flach halten, der Wein ist ja noch in der Gärung. Aber es schaut bislang sensationell gut aus, wir haben zwischen 160 und 200 Grad Öchsle eingefahren, und die Trauben waren so klar wie die Nächte, in denen gelesen wurde.  Mitte Mai wird der Wein in Flaschen abgefüllt. Preislich festlegen möchte ich mich jetzt noch nicht, aber wir gehen davon aus, dass es ein kostbarer Jahrgang wird. Schon alleine, weil wir drei Rebsorten Eiswein haben werden. Diese Vielfalt hatten wir bislang tatsächlich noch nicht.

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