„Zeit is a Matz!“

So heißt das neue Programm der Kult-Band „Da Huawa, da Meier und I“. An diesem Abend treten sie im Münchner „Schlachthof“ auf, aber noch haben Christian Maier (da Huawa), Matthias Meier (da Meier) und Siegi Mühlbauer (I) Zeit für ein Gespräch. Worüber? Natürlich über Zeit.

"Zeit is a Matz!": Da Huawa, da Meier und I - das sind Matthias Meier, Christian Maier und Siegi Mühlbauer (v.l.n.r.). Foto: Hubert Lankes

Interview: Beate Strobel

Warum ist die Zeit a Matz?

Christian Maier: Weil sie so unberechenbar ist. Du weißt ja, was a Matz ist, oder?

Ja, schon. Das kann Lob sein oder Schimpfwort.

Christian: Eben. Und die Zeit ist genauso mehrpolig. Mal vergeht sie enorm schnell und man weiß gar nicht mehr, wie man hinterher kommt, und manchmal steht sie total still. Aber trotzdem ist sie ein fester Taktgeber in unserer Welt, der sich nicht anhalten lässt.

Wann wird euch besonders bewusst, dass die Zeit a Matz ist? 

Matthias Meier: Jetzt zum Beispiel. Wenn du nicht da wärst, und wir müssen zwei Stunden auf den Soundcheck bis zum Auftritt warten, und du hockst hier mit diesen zwei Kollegen beinand… Wenn man wartet, dann wird die Zeit schon zur Matz.

Christian: Ich habe letztes Jahr einen Krankheitsfall in der Familie gehabt, wo die Zeit plötzlich knapp und damit richtig zur Matz wird. Da wird der Spruch „Zeit ist Geld“ plötzlich total belanglos. Meist kann man sich ja gar nicht vorstellen, dass man nur noch eine gewisse Zeit hat.

Geerdet unterwegs: Da Huawa, da Meier und I live
Geerdet unterwegs: „Da Huawa, da Meier und I“ live (Foto: Hubert Lankes)

Haben Künstler einen anderen Bezug zur Zeit als Menschen mit Festanstellung und geregelter Arbeitszeit?

Matthias: Die Zeit ist verschoben, ja. Man steht erst auf, wenn man Hunger hat. Der Magen meldet sich ja – im Gegensatz zum Gehirn – erst, wenn er leer ist. Und die anderen Leute stehen auf, weil sie in die Arbeit müssen. Dafür gehen die danach von der Arbeit heim, und wir nicht.

Siegi Mühlbauer: Weil dann nämlich die ganzen Leute hier in der Garderobe sitzen, der zwickt sich noch eine Halbe, dann zwickt sich der nächste noch eine Halbe, und da bleiben wir dann halt auch sitzen. Die lassen es sich gut gehen, aber unsere Zeit ist dann eine Matz.

Ihr steht jetzt seit 17 Jahren auf der Bühne. Ist die Zeit wie im Fluge vergangen?

Siegi: 17 Jahre sind 17 Jahre, da bin ich ganz nüchtern.

Christian: Und ich war nie nüchtern… Rasend ging die Zeit vorbei.

Wofür nehmt ihr euch Zeit?

Christian: Am meisten für mich selbst. Denn wenn ich mit mir nicht klar komme, dann komme ich auch mit keiner anderen Menschenseele klar. Und dann natürlich für die Familie.

Siegi: Ich für meinen Teil genieße es sehr, Zeit für die Familie zu haben. Und ich bin sehr dankbar dafür. Ich habe mir das mit meiner Frau so eingeteilt, dass ich an zwei Tagen in der Woche fürs Kind zuständig bin. Das können viele Väter nicht, die von Montag bis Freitag in der Arbeit sind. Ich glaube, dass die Entwicklung der Kinder an vielen Vätern vorbeirast. Ich habe lange ohne Kinder gelebt, ich habe meine Zeit für mich gehabt, und jetzt ist es anders, und das genieße ich sehr. Von Kindern kann man außerdem lernen, sich Zeit zu nehmen. Da wartet man dann schon mal etwas länger, bis die mit Spielen fertig sind.

Warum, glaubt Ihr, schenkt Euch das Publikum seit 17 Jahren seine Zeit?

Christian: Das habe ich auch schon oft ins Publikum gefragt, habe aber nie eine Antwort gekriegt.

Eine Vermutung?

Christian: Weil wir ehrlich sind. Menschlich sind. Und das ist heutzutage ein sehr wertvolles Gut. Die Leute sehnen sich danach.

Siegi: Mittlerweile ist der Markt ja übersättigt mit Künstlern, die auf Bairisch spielen oder singen.

Übersättigt heißt: Das geht jetzt demnächst wieder bergab?

Siegi: Nein, das will ich damit nicht sagen. Das ist ja eigentlich eine gute Entwicklung,

Christian: Ich glaube schon, dass wir übern Berg rüber sind. Unser Vorteil ist: Wir sind in dieser ganzen Heimatsound-Szene überhaupt nicht verwurzelt. Uns hat es vorher schon gegeben, und uns wird es auch nachher geben.

Ihr sitzt den Heimat-Hype aus?

Christian: Wir haben ja auch lange genug drauf gewartet, dass er gekommen ist.

Ist das Zeitgefühl auf dem Land ein anderes als in der Stadt?

Siegi: Mit Sicherheit. Ich habe einmal fünf Jahre in einer Großstadt gelebt. Jetzt lebe ich auf einem Bauernhof. Und das ist ein ganz anderes Lebensgefühl. In der Stadt geht alles so schnell: Die Autos rasen, die U-Bahn rast, da bist du in kürzester Zeit durch den Maulwurfstunnel hindurch gesaust. Das schaffst du am Land nicht, wo du schon 1,5 Stunden auf den Zug warten musst, um die fünf Kilometer nach Cham zu fahren.

Christian: Mittlerweise haben wir doch ein globales Zeitgefühl, weil wir jeden Mist vom Donald Trump mitbekommen und vom Kim Jong-Un. Was die sagen, ist eine Stunde später rund um den Globus bekannt. Dadurch wird das Zeitgefühl globalisiert, finde ich.

Kann man sich dem entziehen?

Christian: Ohne Fernseher, ohne Medien, ohne Handy? Ja. Ist nicht einfach, ergibt aber Sinn. Ich habe das jetzt im Winter streng durchgezogen. Habe mein Handy weggelegt und einfach nicht angeschaut. Damit haben die anderen vielleicht ein Problem. Aber ich bin danach gut erholt.

Wie wichtig sind solche Auszeiten?

Christian: Für mich sind sie brutal wichtig. Wenn ich keine Energie mehr habe, kann ich auch keine mehr rausgeben. Und letztendlich geht es ja um Energie.

Wenn ihr mal das Zeitliche segnet, was soll von Euch die Zeit überdauern?

Matthias: Das ist mir wurscht. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei.

Siegi: Jeder, der Kunst macht, bleibt in gewisser Weise da, zumindest für eine Weile. Hilft ihm natürlich nichts. Vielleicht bleibt ja von uns auch etwas. Ein paar CDs in den Regalen.

Christian: Mir ist viel wichtiger, dass ich jetzt lebe. Jetzt ist unsere Zeit. Mir hat gerade ein junges Mädchen geschrieben, dass sie sich nach unserem Konzert mit ihren Eltern das erste Mal vernünftig über die Flüchtlingsthematik unterhalten konnte – weil wir im Programm darüber gesprochen haben. Und das ist das, was ich persönlich will: Ich gehe nicht auf die Bühne, um jemandem zu gefallen, sondern weil ich etwas zu sagen habe. So einfach ist das.

 

Das aktuelle Album
Das aktuelle Album

„Zeit is a Matz!“ gibt es als Album (Südpolenterteinment; unverb. Preisempfehlung: 14,99 Euro) oder zum Download, z.B. über iTunes.

„Da Huawa, da Meier und I“ sind aktuell auch auf Tour mit „Zeit is a Matz!“ – im Münchner Schlachthof beispielsweise das nächste Mal am 18. Mai 2017

Tourdaten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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